Zwölf Quadratmeter Holz, ein Klappstuhl mit wackligem Bein, ein Notenständer mit Eselsohren an den Ecken, und mittendrin, breitbeinig auf dem alten Teppich, ein komplettes Schlagzeug meiner Tochter. So sieht mein Gartenhaus gerade aus, seit ich neben der Trompete auch das Schlagzeug lernen will. Ein neues Hobby über 50 anzufangen, noch dazu gleich zwei Instrumente gleichzeitig, klingt verrückter, als es sich anfühlt – und weil mir zu genau diesem Thema, Musik im Ruhestand und was ein guter Online-Musikkurs dabei wirklich leistet, ständig Fragen ins Postfach flattern, beantworte ich hier die häufigsten der Reihe nach.
Vorab kurz die Pflicht: Einige Links in diesem Text führen zu Kursen, bei denen ich über einen Kauf eine kleine Provision bekomme – für dich ändert sich am Preis nichts, aber gesagt werden soll es trotzdem, bevor es weitergeht.
Schlagzeug neben der Trompete
Die ehrliche Antwort: weil das alte Set meiner Tochter seit ihrem Auszug im Keller stand und mir keine Ruhe ließ. Norbert, mein früherer Kollege aus dem Finanzamt, inzwischen selbst im Vorruhestand, ruft sonntags manchmal an und fragt, wie die Woche so war – mehr aus Gewohnheit als aus echtem Interesse an Musik – und hätte diese Aktion garantiert kommentiert. Solche Fragen erreichen mich aber auch von Leserinnen wie Gundula Preiß, die selbst noch überlegt, ob sie mit Trompete oder Cajon anfangen soll, und die mir nach jedem Tipp kurz zurückschreibt, was sie ausprobiert hat. Ihre Fragen und meine eigenen Versuche bilden das Gerüst für diesen Text.
Die Gelenke bestimmen das Tempo, nicht der Ehrgeiz
Mit über fünfzig ticken die Hände anders als mit zwanzig. Versuche ich, die Sticks so fest zu umklammern, wie es manche Tutorials im Netz vorführen, zieht es nach wenigen Minuten in den Fingergelenken – kein Drama, aber ein deutliches Stoppschild. Als Späteinsteiger lernt man schnell, dass ein lockeres Handgelenk mehr bringt als roher Krafteinsatz, und dass ein Kurs, der genau das vermittelt, mehr wert ist als zehn Videos von Zwanzigjährigen, die auf die Felle eindreschen.
Schlagzeug im Ruhestand: Abo oder Einmalkauf
Genau diese Frage stellt mir fast jede Leserin früher oder später. Es gibt kein Patentrezept, nur zwei ehrliche Wege: ein monatliches Abo, das sich jederzeit kündigen lässt, falls das mit fünfzig doch nicht das Richtige ist, oder ein Einmalkauf mit einem Jahr Zugang, dessen Module danach bleiben. Den RudiHein Schlagzeug-Kompakt-Kurs habe ich mir aus genau diesem zweiten Grund näher angesehen – kein monatliches Abbuchen, dafür klare Module, die auch auf die Gelenke Rücksicht nehmen, was für mich am Ende den Ausschlag gegeben hat.
Der Wadenkrampf als erste Lektion
Meine erste richtige Bassdrum-Übung dauerte zehn Minuten und fühlte sich an wie ein Wandertag. Die Waden brannten, als wäre ich stundenlang bergauf marschiert, dabei saß ich nur auf einem Hocker und versuchte, einen stetigen Puls zu halten. Nichts an diesem Nachmittag lief nach Plan, und offenbar gehört das dazu: Der Körper muss die neue Bewegung erst speichern, bevor sich irgendetwas nach Rhythmus anfühlt.
Beim Gefühlt unmusikalisch und trotzdem Trompete lernen mit über 50 ging es mir nicht anders – die linke Hand tut nie, was die rechte will, und der Fuß macht sowieso sein eigenes Ding. Am ehesten lässt sich das mit dem ersten Mal Autofahren vergleichen: zu viele Pedale, zu viele Hebel, und irgendwann läuft es trotzdem.
Cajon als leisere Alternative
Diese Frage stelle ich mir selbst ständig, vor allem wenn nach zweiundzwanzig Uhr noch Licht im Nachbarhaus brennt. Der martin0852 Cajon-Kurs mit seinen über 160 Videos ist für alle, denen ein komplettes Set zu laut oder zu sperrig ist, eine ernstzunehmende Alternative – leiser, kleiner, und als Sitzmöbel tarnbar, wenn Besuch kommt. Der satte, wummernde Bass eines echten Schlagzeugs erinnert mich dagegen an die alte Kirchenorgel meiner Kindheit, und dafür nehme ich den Krach in Kauf.
Wer eher zur Rhythmus-Seite tendiert und trotzdem ein Abo-Modell bevorzugt, findet mit dem meineMusikschule Schlagzeug-Kurs eine Variante, die genauso funktioniert wie mein Trompeten-Abo, nur eben für Trommeln. Ein komplettes Set steht dabei allerdings vor dem eigentlichen Kurs schon als eigene, größere Anschaffung im Raum – das sollte niemand unterschätzen, der in einer Mietwohnung oder im Reihenhaus wohnt.
Die Trompete bleibt trotzdem meine große Liebe
Ansatztraining, Atemstütze, das tägliche Einspielen, die Wahl des passenden Mundstücks, wie oft man wirklich üben sollte, dazu die Ventilpflege – über jedes dieser Themen könnte ich einen eigenen Brief schreiben, und das habe ich an anderer Stelle auch getan. Stundenlange Lippenübungen vor dem Badezimmerspiegel, ganz ohne Mundstück, haben mir jedenfalls nichts gebracht außer einem Kribbeln in der Lippe, das den ganzen Nachmittag anhielt.
Bei der Trompete gab es dafür diesen einen Moment, der alles aufgewogen hat: ein hohes G, gehalten bis vier gezählt, das sauber ausklang, ohne zu kippen. Danach wusste ich, dass die Basis trägt – und dass ich mir auch das Schlagzeug zutrauen kann, ohne die Trompete deswegen aufzugeben.
Beide Instrumente parallel im Blick behalten
Ob ich am Ende bei der Trompete bleibe oder doch zur Drummerin werde, muss ich gar nicht entscheiden. Am Aasee, auf der Runde, die ich mir nach dem Üben oft gönne, um den Kopf freizubekommen, wird mir das jedes Mal aufs Neue klar: zwei Instrumente parallel zu lernen ist kein Verrat an keinem von beiden.
Wer sich schon mit dem Wasser aus der Trompete abzulassen arrangiert hat, findet auch für ein komplett neues Instrument die nötige Gelassenheit. Beides bringt eigene kleine Peinlichkeiten mit sich, und keine davon ist am Ende so schlimm, wie sie sich im Moment anfühlt.
Der Umstieg auf zwei Instrumente im Ruhestand
Für mich lautet die Antwort ja, mit einer Einschränkung: nur wenn Neugier der Antrieb ist und nicht der Vergleich mit anderen. Norbert wird bei seinem nächsten Sonntagsanruf vermutlich wieder nur höflich nachfragen und dann schnell das Thema wechseln, und das ist völlig in Ordnung so.
Wer wie ich oder wie Gundula gerade überlegt, ob Trompete, Schlagzeug oder Cajon der richtige Einstieg ist, sollte sich vor allem eines trauen: anzufangen, auch wenn der erste Ton oder der erste Takt noch lange nicht sitzt. Für alle, die einen strukturierten Einstieg mit erfahrenem Lehrer suchen, bleibt der Kurs von Rudi Hein eine gute erste Anlaufstelle, ganz ohne dass du dafür das Haus verlassen musst.