Erste Trompete

Gebrauchte Trompete reinigen und pflegen Schritt für Schritt Anleitung

Gebrauchte Trompete reinigen und pflegen Schritt für Schritt Anleitung

Sonntagabend im Gartenhaus, die Grillen im Münsterland geben schon alles, aber ich starre nur auf dieses silberne Etwas auf meinem Schoß. Es ist jetzt genau eine Woche her, seit ich dem Nachbarn seine alte Kanne abgekauft habe – ein Erbstück, das sicher 15 Jahre im Keller vor sich hin oxidiert ist. Und ehrlich gesagt, sie riecht auch so. Ein bisschen nach altem Metall, ein bisschen nach vergessenem Hobby.

Ich liebe Miles Davis und sein Kind of Blue, aber ich bin mir sicher: Miles hätte dieses Ding nicht mal mit der Kneifzange angefasst, bevor es nicht ordentlich durchgepustet wurde. Also habe ich mir vorgenommen, diese Woche mit einer Grundreinigung zu starten. Bevor ich das erste Mal versuche, ein sauberes G1 zu spielen, muss der Schmodder von 2011 raus. Das bin ich meiner Lunge und meinem Ehrgeiz schuldig.

Vorbereitung: Ordnung ist das halbe Leben (und die ganze Steuererklärung)

Als ehemalige Finanzbeamtin kann ich nicht anders: Ich brauche Struktur. Ich habe mir ein großes, weißes Handtuch auf dem Gartentisch ausgebreitet. Es sieht ein bisschen aus wie im OP-Saal, nur dass der Patient eine verbeulte Trompete ist. Ich habe mir im Fachhandel ein Pflegeset für 18.90 Euro besorgt – Bürsten, Ventilöl, Zugfett. Alles da.

Dann ging es ans Zerlegen. Man unterschätzt ja, aus wie vielen Teilen so ein Instrument besteht. Ich habe alles ganz vorsichtig abgezogen und sortiert. Am Ende lagen da exakt 9 Einzelteile vor mir: Die 3 Ventile, die 4 Züge (der Hauptstimmzug und die drei kleinen für die Ventile), das Mundstück und natürlich der Korpus selbst. Es ist ein seltsames Gefühl, dieses kalte, glitschige Messing in der Hand zu halten. Dieser typische, metallische Geruch haftet übrigens noch Stunden später an den Fingern, egal wie oft man sie wäscht.

Ich dachte ja immer, ich sei völlig unmusikalisch, weil ich nach der Blockflöte in der Schule aufgegeben habe. Aber beim akribischen Sortieren der Kleinteile merke ich: Ich bin zumindest technisch präzise genug für dieses Instrument. Vielleicht ist das mein Weg zum Jazz – über die Mechanik.

Das Bad: Wenn das Wasser grün wird

Der wichtigste Tipp, den ich gelesen habe: Niemals zu heiß! Wenn das Wasser über 40 Grad warm ist, kann sich der Klarlack lösen. Das wäre bei dem alten Schätzchen fatal. Also habe ich die Badewanne (oder in meinem Fall eine große Plastikwanne im Garten) mit handwarmem Wasser gefüllt, so um die 30 Grad. Ein Spritzer mildes Spülmittel dazu, mehr nicht.

Und dann kam der Moment der Wahrheit. Ich habe den Korpus und die Züge (nicht die Ventile!) eingelegt. Was da nach ein paar Minuten aus den Rohren kam, war – nun ja – wenig appetitlich. Eine Mischung aus altem Fett und grünlichen Ablagerungen. Wenn man bedenkt, dass ich da später meine Luft durchjagen will, war diese Reinigung längst überfällig. Mit der langen, flexiblen Bürste aus meinem 18.90-Euro-Set bin ich durch jedes Rohr gegangen. Es ist ein bisschen wie Schornsteinfegen im Miniaturformat.

Falls du dich fragst, warum ich damals überhaupt mit diesem lauten Ding angefangen habe: Ich hatte kurz überlegt, das alte Schlagzeug meiner Tochter zu übernehmen oder vielleicht Cajon zu lernen, weil es leiser ist. Aber der Klang der Trompete, wie ich ihn früher in der Kirche gehört habe, hat mich nie losgelassen. Auch wenn es in Woche 1: Warum die Trompete vom Nachbarn erst mal schwieg noch eher nach sterbendem Elefant klang.

Der kritische Moment: Der dritte Ventilzug

Am Mittwoch, dem 15. April, dachte ich kurz, ich hätte das Instrument geschrottet. Der dritte Ventilzug saß bombenfest. Nichts zu machen. Ich habe gezogen, bis mein Kopf so rot war wie bei meinen ersten Versuchen, einen Ton herauszubekommen. Panik kam auf. Was, wenn ich das Teil jetzt verbiege?

Ich habe dann tief durchgeatmet – meine Atemübungen für Trompete Anfänger helfen sogar beim Handwerken – und einen winzigen Tropfen Kriechöl an die Kanten gegeben. Zehn Minuten gewartet. Und dann: Plopp. Er hat sich gelöst. Der Dreck darunter war fast schwarz. Aber das Gefühl, als er endlich nachgab, war fast so gut wie ein sauber getroffenes C.

Trocknen und Ölen: Weniger ist mehr

Nach dem Bad muss alles gründlich trocknen. Ich habe die 9 Teile wieder auf mein Handtuch gelegt. Die Ventile habe ich nur mit einem fusselfreien Tuch abgewischt. Bloß nicht mit der Bürste an die empfindliche Oberfläche der Ventilzylinder!

Hier kommt übrigens meine wichtigste Erkenntnis der Woche: Man neigt dazu, alles „gut zu meinen“. Ich dachte, ich öle die Ventile jetzt mal so richtig ordentlich ein. Aber mein Nachbar, der sie mir verkauft hat, gab mir einen entscheidenden Rat mit auf den Weg: Hör auf, deine Ventile nach jedem Spielen zu ölen! Ein Zuviel an Öl bindet nur den feinen Abrieb und Staub, was dann erst recht klebrige Ablagerungen provoziert. Ein paar Tropfen reichen völlig aus, wenn sie anfangen, langsamer zu laufen.

Beim Zusammenbau muss man aufpassen: Die Ventile sind meistens nummeriert (1, 2, 3). Wenn man sie vertauscht, kommt beim Blasen keine Luft durch – ein Klassiker für Anfänger-Frust. Die Züge wiederum brauchen kein Öl, sondern das zähere Zugfett. Das sorgt dafür, dass sie dicht abschließen, sich aber trotzdem noch bewegen lassen, wenn man die Stimmung korrigieren muss.

Ein neuer Glanz am Sonntagabend

Heute ist der 19. April, und die Trompete glänzt im Abendlicht meines Gartenhauses. Sie riecht nicht mehr nach Keller, sondern nach – ja, nach Neuanfang. Ich habe das Mundstück (natürlich auch extra geschrubbt) eingesetzt und vorsichtig reingeblasen.

Die Ventile flutschen, nichts hakt mehr. Und siehe da: Der Ton, den ich heute Abend herausbekommen habe, klang zum ersten Mal nicht mehr belegt oder heiser. Er war klar. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein, weil ich so stolz auf meine Putzaktion bin, aber es fühlt sich richtig an. Es ist ein bisschen wie beim Trompete online lernen: Man muss erst mal die Grundlagen schaffen und den alten Ballast abwerfen, bevor die Musik kommen kann.

Nächste Woche traue ich mich vielleicht an die ersten Takte von So What. Ganz langsam. Nur für mich und die Gartenstühle. Aber jetzt genieße ich erst mal den Anblick meiner sauberen, 15 Jahre alten Nachbarschafts-Trompete. Wer hätte gedacht, dass eine ehemalige Finanzbeamtin mal so viel Freude an Schmierfett und Messingbürsten haben würde?

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