Erste Trompete

Woche 1: Warum die Trompete vom Nachbarn erst mal schwieg (und mein Kopf rot wurde)

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Gebrauchte Trompete vom Nachbarn auf dem Holztisch im Gartenhaus – Trompete Anfang mit 50

Das Mundstück allein in der Hand, die Lippen locker aneinander, dazwischen ein Summen wie von einer verirrten Hummel, so fängt der Trompete Anfang wirklich an. Nicht mit einem strahlenden Ton, sondern mit einem albernen Brrr. Wer mit 50 zum ersten Mal ein Blechblasinstrument in die Hand nimmt, merkt schnell: Der erste saubere Ton entsteht nicht in der Lunge, sondern zwischen den Lippen. Das ist die kurze Antwort — und sie hätte mir viel roten Kopf erspart.

Vorab ein Hinweis: In diesem Tagebuch stehen ab und zu Affiliate-Links. Kaufst du über so einen Link etwas, bekomme ich eine kleine Provision — dein Preis ändert sich dadurch kein bisschen. Ich erwähne hier nur, was ich in meinem Gartenhaus auch tatsächlich selbst benutze.

Bevor das gebrauchte Messing überhaupt auf dem Tisch lag, hatte ich lange geschwankt, ich habe sogar überlegt, ob ich Trompete oder Schlagzeug lernen will, weil die Tochter als Teenager mal so ein Set im Keller stehen hatte. Ein Cajon war auch im Gespräch, einfach weil es leiser ist. Am Ende hat der Klang gewonnen, der früher die ganze Kirche gefüllt hat.

Warum das Blech vom Nachbarn beim Trompete-Anfang stumm blieb

Meinem Nachbarn habe ich die Trompete über den Gartenzaun abgekauft; sie hatte zwei Jahrzehnte in seinem Keller gelegen. Zwei Dinge machten den Start deshalb doppelt zäh. Das erste war rein mechanisch: Die Ventile klemmten, verharzt vom langen Stillstand, und ich drückte darauf herum wie auf einer eingerosteten Türklinke. Nur, für den allerersten Ton braucht man die Ventile gar nicht. Das war die erste Verwechslung, die ich mir selbst eingebrockt habe: Ich hielt das klemmende Ventil für die Ursache, dabei war es ein völlig getrenntes Problem.

Das zweite war ich selbst. Eingeatmet habe ich wie vor dem Tauchen und mit aller Kraft hineingepustet. Nichts. Ein trockenes Pffft, sonst nichts. Also fester. Mein Kopf wurde rot, die Halsadern traten hervor, für einen Moment sah ich Sternchen, und die Röhre blieb stumm. Genau hier liegt die nützlichste Faustregel überhaupt: Wenn der Kopf rot anläuft, machst du garantiert etwas falsch. Roter Kopf heißt, du drückst Luft gegen fest verschlossene Lippen. Die Lösung ist nicht mehr Druck, sondern weniger.

Wahllos habe ich mir dann YouTube-Videos herausgesucht und einfach nachgespielt, ohne Plan, ohne Reihenfolge. Das hat die Sache eher schlimmer gemacht — mal saß das Mundstück oben, mal unten, jeder Clip erzählte etwas anderes, und ich sammelte lauter halbe Wahrheiten, die sich gegenseitig widersprachen.

Ein kleiner Helfer für den Start

Irgendwann habe ich das planlose Nachahmen aufgegeben und mir eine Struktur gesucht. In die örtliche Musikschule und neben die Achtjährigen wollte ich mich nicht setzen, also bin ich bei meineMusikschule Trompete gelandet — ein Onlinekurs, der wirklich beim allerersten Ton anfängt und nicht voraussetzt, dass man noch weiß, wie man Noten liest.

Mein aktueller Begleiter: Weil ich noch nicht weiß, ob ich in drei Monaten überhaupt noch dabei bin, nutze ich den Kurs von meineMusikschule. Er ist ordentlich aufgebaut, führt Schritt für Schritt vom ersten Ton zur ersten Tonleiter, und es ist ein Monatsabo — kündbar, falls die Trompete am Ende doch nur Deko auf dem Regal wird. Für uns Späteinsteiger, die bei Null anfangen, genau das richtige Sicherheitsnetz.

Das Allererste, was der Lehrer im Video geradezog: Man pustet eben nicht, man lässt die Lippen schwingen. Summen. Genau das Brrr vom Anfang.

Summen statt pusten — der Motor sitzt in der Lippe

Nur mit dem Mundstück üben, ganz ohne Trompete drumherum, das war der eigentliche Trick. Man summt hinein, bis die Lippen von selbst vibrieren, so als wollte man ein Haar von der Zungenspitze pusten. Der erste saubere Ton zeigt dann ganz nebenbei, dass Ansatz kein abstraktes Konzept aus dem Lehrbuch ist, sondern genau der Moment, in dem Lippe und Luft zufällig zusammenpassen; wie man den Trompete Ansatz trainieren kann, ohne sich zu verkrampfen, ist eine eigene Geschichte für sich.

Ein Ärgernis blieb hartnäckig: Das Mundstück saß von Anfang an falsch. Beim Kauf hatte ich es einfach irgendwie an den Mund gehalten, mal zu weit oben, mal schief, und sobald es speichelfeucht wurde, rutschte es bei jedem Versuch weg. Erst als ich es mittiger und trockener ansetzte und vor jedem Anlauf kurz die Lippen abtupfte, hörte das Wegrutschen auf. Prüf das zuerst, bevor du an dir selbst zweifelst — ein rutschendes Mundstück fühlt sich an wie Unvermögen, ist aber nur schlechte Platzierung.

Wie lange darf so eine erste Übungseinheit dauern?

So kurz, dass es fast weh tut, sie zu beenden. Meine Lippen waren nach zehn Minuten komplett hinüber — taub, kraftlos, wie nach dem Zahnarzt. Übertrieben habe ich es anfangs trotzdem und immer weitergemacht, und danach war der Ansatz für den Rest des Tages nur noch Matsch; ein übermüdeter Ansatz erholt sich nicht, indem man ihn weiterquält. Kurze Einheiten, lieber mehrere kleine über den Tag verteilt, und Schluss, sobald die Lippe kribbelt. Das ist keine Faulheit, das ist Materialschonung — nur dass das Material hier dein eigener Mund ist.

Hedwig von nebenan schaute an einem dieser Nachmittage über den Gartenzaun, während ich da saß und wie ein Insekt summte. Von Musik versteht sie ungefähr so viel, wie ich vom Steuerrecht inzwischen wieder vergessen habe, aber sie hörte sich mein Gejammer über die schiefen Töne geduldig an und nickte an den richtigen Stellen. Das Gartenhaus roch an dem Tag nach dem Regen streng nach nassem Holz und altem Lack, und der wacklige Klappstuhl machte es kein bisschen bequemer — trotzdem wollte ich nicht rein.

Der erste Ton, mit dem Musik ab 50 beginnt

Und dann, im Gartenhaus, blieb ein langer Ton plötzlich einfach stehen — voll und ruhig, ohne dieses feuchte Zischen davor, das jeden Versuch vorher zerfranst hatte. Es war ein tiefes G. Nach Miles Davis klang das noch lange nicht, eher nach einem Nebelhorn im Münsterländer Frühnebel, aber es schwang, es trug, es füllte den kleinen Raum. Dass man mit 50 überhaupt noch Jazz auf der Trompete lernen könnte — das So What im Kopf, das seit Jahrzehnten dort wohnt — schien in dieser einen Sekunde nicht mehr völlig größenwahnsinnig.

Wer gerade vor demselben stummen Rohr sitzt, kann sich die Umwege sparen, die ich mühsam abgeklappert habe: Erst Ventile und Instrument gedanklich vom Ton trennen — ein klemmendes Ventil hält keinen einzigen Ton auf. Dann nur mit dem Mundstück summen, bis die Lippe vibriert, statt zu pusten. Das Mundstück mittig und trocken ansetzen. Und aufhören, sobald die Lippe müde wird, nicht erst wenn der Kopf rot ist. So fängt das an, dieses späte Musikmachen — bei einem einzigen Nebelhorn-Ton, der plötzlich trägt.

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