Erste Trompete

Wasser aus der Trompete ablassen: Warum die Wasserklappe so wichtig ist

Wasser aus der Trompete ablassen: Warum die Wasserklappe so wichtig ist

Es war ein kühler Abend im Gartenhaus, Ende März, und ich war gerade so richtig schön in Fahrt. Ich versuchte, einen Ton mal länger als drei Sekunden zu halten, ohne dass er wegknickt wie ein nasser Grashalm am Aasee. Und plötzlich passierte es: Meine Trompete klang nicht mehr nach Miles Davis, sondern eher wie eine alte Kaffeemaschine, die kurz vorm Verkalken steht. Ein tiefes, gurgelndes Blubbern direkt in meinem Ohr.

Du weißt ja, wie ich bin – ich dachte sofort, ich hätte das gute Stück von meinem Nachbarn schon nach ein paar Wochen ruiniert. Vielleicht hatte ich zu fest reingepustet? Oder meine Atemtechnik war so falsch, dass sich das Metall von innen wehrt? Ich saß da auf meinem alten Holzstuhl, die Noten von 'So What' vor mir, und starrte das Instrument an, als würde es mir gleich eine Kündigung schicken.

Das Gurgeln in der Röhre: Mein erster Schreck

Nach den ersten drei Wochen war ich eigentlich ganz stolz auf mich. Ich dachte, ich hätte das Schlimmste hinter mir, aber dieses Geräusch hat mich echt verunsichert. Ich dachte erst, es läge an meinem Ansatz. Du erinnerst dich sicher, wie ich dir erzählt habe, dass ich mich früher immer für gefühlt unmusikalisch und trotzdem Trompete lernen mit über 50 entschieden habe – und genau in diesem Moment kam dieses alte Gefühl wieder hoch. 'Siehst du, Maria,' hab ich mir gesagt, 'jetzt hast du das Ding schon kaputt gemacht.'

Ich hab die Trompete dann erst mal vorsichtig abgelegt und bin rein in die Küche, um mir einen Tee zu machen. Aber es ließ mir keine Ruhe. Also hab ich nachgelesen und gelernt: Das ist kein Defekt. Das ist Physik. Wenn meine warme Atemluft auf das kühle Messing trifft – das bei meiner Trompete übrigens eine ganz klassische 70/30 Materialzusammensetzung aus Kupfer und Zink hat –, dann bildet sich Kondenswasser. Es ist also gar nicht so viel Speichel, wie man als Anfängerin peinlich berührt vermutet, sondern schlichtweg Feuchtigkeit aus der Luft.

Nahaufnahme einer Wasserklappe an einer Trompete mit einem Wassertropfen.

Die Rettung: Ein kleiner Hebel mit großer Wirkung

An einem kühlen Dienstagabend im April hab ich mich dann getraut, die Wasserklappe mal ganz bewusst zu benutzen. Meine Trompete hat zwei davon: eine am Hauptstimmzug und eine am dritten Ventilzug. Ich hatte die Hebel vorher zwar gesehen, aber mich nie getraut, sie während des Spielens wirklich zu bedienen. Es war ein richtiger Aha-Moment.

Das metallische Klicken der Wasserklappe und das warme Pffft-Geräusch, wenn der feine Wasserstrahl auf den Holzboden des Gartenhauses trifft, hatte fast etwas Meditatives. Ich dachte kurz an meine Zeit im Amt: Auch dort musste man gelegentlich den Druck ablassen, bevor das ganze System anfängt zu blubbern und nichts mehr vorangeht. Sobald das Wasser raus war, war der Ton wieder da – klar und sauber, soweit man das bei einer 50-jährigen Anfängerin eben sagen kann.

Eigentlich gehört die Wasserklappe zum absoluten Basis-Set, fast so wie das Öl für die Ventile. Wenn du dich fragst, was man sonst noch braucht, schau dir mal meine Liste über wichtiges Trompete Zubehör für Anfänger an, da hab ich das alles mal sortiert, damit man nicht den Überblick verliert.

Warum ständiges Drücken auch keine Lösung ist

Aber jetzt kommt der Punkt, den ich erst auf die harte Tour lernen musste: Man kann es auch übertreiben. In der ersten Zeit nach meiner Entdeckung hab ich nach fast jedem Takt die Klappe gedrückt. Ich hatte so Angst vor diesem Gurgeln, dass es fast zu einem nervösen Tick wurde. Aber weißt du was? Das ständige Entleeren stört den Luftstrom massiv. Jedes Mal, wenn ich die Klappe öffne, fällt der Druck im Instrument ab.

Ich habe gemerkt, dass meine Konzentration auf die richtige Atemstütze total flöten geht, wenn ich alle zwei Minuten reflexartig die Klappe öffne. Man verliert den Fluss. Mittlerweile mache ich es so: Ich baue strategische Pausen ein. Wenn ich eine Übung beende oder eine längere Pause in den Noten habe, dann ist der Moment für die Wasserklappe. Das ist viel effizienter, als ständig den Spielfluss zu unterbrechen.

Hände halten eine Trompete und betätigen die Wasserklappe über einem Holzboden.

Ein neues Sonntagsritual im Münsterland

Letzten Sonntag saß ich wieder draußen. Die Sonne stand schon tief über den Feldern am Rand des Münsterlands, und ich habe versucht, die Trompete auf den Kammerton A bei 440 Hertz zu stimmen. Das ist gar nicht so einfach, wenn sich im Inneren noch das Wasser der letzten halben Stunde staut. Feuchtigkeit im Rohr verändert nämlich den Widerstand und damit auch minimal die Tonhöhe.

Regelmäßige Pflege ist für mich mittlerweile wie eine saubere Buchführung in der Finanzbehörde: Wenn man den Stau nicht rechtzeitig bereinigt, leidet das Endergebnis. Ich habe mir jetzt angewöhnt, das Instrument nach jeder Übungseinheit gründlich zu leeren und die Züge auch mal ganz rauszuziehen, damit alles gut durchtrocknen kann. Sonst droht irgendwann der Zinkfraß, und das wäre schade um das Erbstück vom Nachbarn.

Es ist schon verrückt, wie viel man über so ein bisschen Kondenswasser lernen kann. Falls du dich fragst, wie mein restlicher Zeitplan aussieht, kannst du gerne mal in meinen Bericht über meinen Übungsplan nach 4 Wochen schauen. Da siehst du, dass ich nicht nur mit dem Wasser, sondern auch mit der Disziplin kämpfe.

So, jetzt ist es schon wieder spät geworden. Die Trompete liegt sicher im Koffer, das Gartenhaus ist abgeschlossen, und ich freue mich auf die nächste Woche. Vielleicht schaffe ich es dann ja mal, ein ganzes Stück ohne 'Gurgel-Unterbrechung' zu spielen. Man muss sich ja Ziele setzen, gell?

Alles Liebe, deine Maria

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