Erste Trompete

Jazz auf der Trompete lernen als Anfänger ohne Vorkenntnisse

Trompete lernen als Jazz-Anfängerin – Spätsteinsteigerin übt am Münsterland-Rand

Wie oft muss ein einziger Ton misslingen, bevor man aufhört, ihn zu zählen? Bei mir war es irgendwo zwischen Woche drei und Woche vier, da habe ich das Mitzählen aufgegeben. Trompete lernen als Jazz-Anfängerin und Spätsteinsteigerin mit fünfzig bedeutet vor allem eines: viele schiefe Zwischentöne aushalten, bevor überhaupt einer richtig sitzt. Trotzdem schreibe ich mein Münsterland-Tagebuch jede Woche weiter, so als würde sich das Warten am Ende auszahlen.

Jazz zum Trompete lernen als Spätsteinsteigerin

Miles Davis und Clifford Brown liefen bei mir schon, als ich noch gar nicht wusste, wie ein Ventil überhaupt funktioniert. 'So What' kenne ich seit Jahrzehnten auswendig, jede Pause, jeden Einsatz – nur eben nicht mit den eigenen Lippen. Genau deshalb wollte ich nicht bei klassischen Etüden anfangen, sondern direkt bei dem Klang, der mich schon als Kind gepackt hat.

Ein Stück wie 'Blue in Green' klingt so entspannt, dass man vergisst, wie viel Kontrolle eigentlich dahintersteckt.

Der Weg zur gebrauchten Trompete

Nach vielen Jahren in der Finanzverwaltung war ich eher der Typ für klare Aktenordner als für spontane Neuanfänge. Als der fünfzigste Geburtstag näherrückte, wollte ich trotzdem etwas beginnen, das nichts mit Zahlen zu tun hat. Ein Nachbar hatte eine alte, silberne Trompete im Keller stehen und war froh, sie loszuwerden, Koffer inklusive. Kurz hatte ich überlegt, ob ich stattdessen das Schlagzeug meiner Tochter übernehme oder Cajon lerne als leise Alternative, aber am Ende hat der warme Klang gewonnen, den ich aus der Kirche meiner Kindheit kenne.

Wahllos nachspielen hat nicht funktioniert

In den ersten Wochen habe ich wahllos YouTube-Videos nachgespielt, ohne Plan und ohne Struktur. Ich klickte mich von einem Solo zum nächsten, spielte drei Takte nach und wunderte mich, warum am nächsten Tag nichts davon hängen blieb. Zwei Wochen ging das ungefähr so, bevor ich einsah, dass wildes Nachahmen ohne roten Faden mich keinen Schritt weiterbrachte.

Wie oft ich mittlerweile wirklich übe, schwankt von Woche zu Woche, und das ist eine andere Geschichte für sich. Auch eine feste Einspielroutine, mit der ich überhaupt erst in den Ton hineinfinde, gehört inzwischen dazu, aber die Details davon erzähle ich ein andermal. Bei der Frage, welches Mundstück für den Anfang überhaupt taugt, habe ich ebenfalls eine klare Meinung, nur eben nicht in diesem Eintrag.

Woche 5 am Gartenzaun

In der fünften Woche hielt ich zum ersten Mal ein hohes G bis vier durch, und es lief sauber aus, ohne zu kippen oder zu krächzen. Kein Wunder, nur ein Ton, der genau dort blieb, wo ich ihn hinschicken wollte. Vorher war ich am Nachmittag noch am Aasee spazieren gegangen, um den Kopf freizubekommen – manchmal hilft frische Luft mehr als noch eine Übungsstunde.

Es fühlt sich ein bisschen an wie Schwimmen nach zwanzig Jahren Pause. Der Körper weiß es plötzlich wieder, bevor der Kopf überhaupt hinterherkommt.

Meine Nachbarin Hedwig Zinnecker stand am selben Abend am Gartenzaun und meinte nur, das habe sich schon deutlich besser angehört als letzte Woche. Sie sagt eben genau das, was sie denkt, egal ob es gerade passt, und ich mag das an ihr, auch wenn es manchmal ein bisschen sitzt.

Ansatz, Atem und Ventilöl unter einen Hut bringen

Jazz-Phrasen verlangen einen flexiblen Ansatz, der sich biegen lässt, ganz anders als das starre Formen, das klassische Übungsskalen brauchen – das habe ich schnell gemerkt, auch wenn die Feinheiten davon in einen anderen Eintrag gehören.

Bevor ich einen Ton loslasse, atme ich tief ein, so wie ich es in meinen Atemübungen für Anfänger beschrieben habe, auch wenn mir der Atem bei schnellen Jazz-Läufen regelmäßig ausgeht, bevor die Phrase zu Ende ist.

Neulich hat mich Volker Wiersgalla aus einem deutschen Trompeten-Forum nach einem bestimmten Pflegemittel für die Ventile gefragt, mit einer Ernsthaftigkeit, als würde er zwei Werkzeuge im Baumarkt vergleichen. Auf seine Frage konnte ich nur sagen, dass ich selbst noch am Ausprobieren bin, was da wirklich hilft.

Was ich am Ende mitnehme

Am Ende bleibt bei mir vor allem eine Erkenntnis hängen: Ein Ton muss nicht perfekt sein, er muss nur ehrlich klingen. Wer fünfzig Jahre lang nur zugehört hat und jetzt selbst bläst, darf ruhig auch mal danebenliegen. Mein Rat an jeden, der genauso spät anfängt: Miss deinen Fortschritt nicht an einem einzigen gelungenen Ton, sondern daran, ob du morgen wieder ins Gartenhaus gehst.

Bis nächste Woche,
deine Schwester aus dem Gartenhaus

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