Erste Trompete

Mundstück-Buzzing für Trompete: Warum das Summen für Anfänger so wichtig ist

Mundstück-Buzzing für Trompete: Warum das Summen für Anfänger so wichtig ist

Mensch, Kleines, du hättest mich gestern Nachmittag sehen sollen. Da saß ich in meinem Gartenhaus – du weißt schon, mein kleiner Rückzugsort am Rand vom Münsterland –, die Sonne knallte auf das Dach, und ich habe versucht, ein sauberes G zu treffen. Aber was kam raus? Ein Geräusch, als würde ich eine Gans quälen, die gerade versucht, den Steuerbescheid für 2024 zu verstehen. Ich war kurz davor, das ganze Blechding dem Nachbarn wieder über den Zaun zu werfen, von dem ich es zum 50. Geburtstag abgekauft habe.

Aber dann habe ich mich an das erinnert, was ich in den letzten neun Monaten gelernt habe, seit ich diesen verrückten Entschluss gefasst habe, mit 50 nochmal bei Null anzufangen. Ich habe die Trompete weggelegt, nur das silberne Mundstück in die Hand genommen und angefangen zu summen. Buzzing nennen das die Profis. Und plötzlich, nach ein paar Minuten, lief es wieder. Es ist faszinierend und ein bisschen absurd zugleich – man verbringt Jahre damit, Miles Davis zu hören und von diesem sanften Klang zu träumen, und am Ende sitzt man im Gartenhaus und macht Geräusche wie eine dicke Hummel.

Wie alles anfing: Vom Blockflöten-Trauma zum ersten Summen

Du weißt ja noch, wie das in der Schule war. Die Blockflöte war mein Endgegner. Danach hielt ich mich für absolut unmusikalisch. Mein ganzes Berufsleben im Finanzamt war ich die Frau für die Zahlen, die Paragraphen, die Logik. Musik? Das war was für die anderen. Aber dieser Klang in der Kirche, wenn die Trompete so richtig strahlt... das hat mich nie losgelassen. Als ich dann in Frührente ging, dachte ich: Jetzt oder nie. Erst wollte ich ja Schlagzeug spielen, weil meine Tochter als Teenager mal eins wollte, oder vielleicht Cajon, weil es leiser ist. Aber die Trompete hat gewonnen.

Letzten November, als ich die gebrauchte Kanne zum ersten Mal in den Händen hielt, dachte ich, ich müsste nur fest genug pusten. Pustekuchen. Mein Nachbar hat mir dann diesen Tipp mit dem Buzzing gegeben. Er sagte: "Gisela, der Ton entsteht nicht im Blech, der entsteht in deinen Lippen." Das war so ein Moment, in dem es bei mir Klick gemacht hat. Die Trompete ist eigentlich nur ein Verstärker für das, was wir mit unserem Mund machen.

Ein silbernes Trompetenmundstück auf einem rustikalen Holztisch neben einem Notizbuch.

Was genau ist dieses Buzzing eigentlich?

Stell dir vor, du presst deine Lippen leicht zusammen und versuchst, Luft hindurchzudrücken, sodass sie vibrieren. Es ist wie ein Furzgeräusch mit dem Mund, nur kontrollierter. Wenn man das nur mit dem Mundstück macht, merkt man erst mal, wie viel Arbeit das eigentlich ist. Mein Standard-Mundstück (ein klassisches 7C) hat einen Kesseldurchmesser von 16.20 mm – das ist nicht viel Platz, um diesen magischen Ansatz zu finden.

Beim Buzzing schwingen die Lippen im Mundstück wie das Doppelrohrblatt einer Oboe. Das ist Schwerstarbeit für den sogenannten Orbicularis oris – das ist der Muskel um den Mund herum. Ich sage dir, nach zehn Minuten Summen fühlen sich meine Mundwinkel an wie nach einem Tag, an dem ich auf einer Familienfeier ununterbrochen gute Laune heucheln musste. Ein brennendes Gefühl, wie echter Muskelkater.

Aber es hilft! Wenn ich das Mundstück allein spiele, muss mein Gehör den Ton finden, ohne dass mir die 1.3 Meter Blechrohr der B-Trompete dabei helfen. Das Instrument rastet ja normalerweise bei bestimmten Tönen ein, aber auf dem Mundstück bist du völlig auf dich allein gestellt. Wenn ich versuche, den Kammerton A mit seinen 440 Hz nur auf dem Mundstück zu treffen, merke ich erst, wie ungenau mein Gefühl für die Töne eigentlich ist.

Die frostigen Tage im Januar und die Entdeckung der Routine

Während der ersten frostigen Tage im Januar saß ich oft mit einer dicken Jacke im Gartenhaus. Da habe ich angefangen, das Buzzing fest in meine Routine einzubauen. Ich habe gemerkt, dass es nichts bringt, sich direkt auf die Trompete zu stürzen. Ich fange jetzt immer mit zwei, drei Minuten lockerem Summen an. Es ist wie das Aufwärmen beim Sport – man rennt ja auch keinen Marathon, ohne vorher die Waden zu dehnen.

Ich habe sogar angefangen, beim Autofahren zu buzzen. Wenn ich zum Einkaufen fahre, habe ich das Mundstück in der Hand (natürlich nur an der roten Ampel, wir wollen ja keine Unfälle provozieren!). Die Leute in den anderen Autos gucken manchmal ein bisschen irritiert, wenn die 50-jährige Ex-Finanzbeamtin da sitzt und aussieht, als würde sie eine unsichtbare Zigarre rauchen und dabei summen. Aber weißt du was? Es ist mir egal. Seit ich das regelmäßig mache, rastet der Ton im Gartenhaus viel sauberer ein.

Ich erinnere mich noch an einen Moment nach etwa drei Monaten regelmäßigen Übens, das muss so im März gewesen sein. Ich habe meine erste Tonleiter auf der Trompete gespielt, und plötzlich fühlte es sich nicht mehr wie ein Kampf an. Die Töne kamen einfach. Das war dieser Moment, in dem ich wusste: Das mit dem Buzzing ist kein Humbug.

Eine Hand hält ein Trompetenmundstück vor dem Fenster eines Gartenhauses in der Abenddämmerung.

Warum weniger manchmal mehr ist (Mein persönlicher Warnhinweis)

Jetzt kommt aber der Punkt, den ich schmerzhaft lernen musste – und das ist mein ganz persönlicher Senf dazu, den man so oft nicht liest. Vor etwa sechs Wochen, im Juni, habe ich es übertrieben. Ich dachte: "Wenn Buzzing gut ist, dann ist VIEL Buzzing bestimmt noch besser." Ich habe fast eine halbe Stunde nur auf dem Mundstück rumgetrötet, ohne die Trompete auch nur anzufassen.

Das Ergebnis? Mein Ansatz war völlig blockiert. Übermäßiges Buzzing ohne das Instrument kann nämlich die natürliche Lippenentspannung zerstören. Die Trompete bietet einen gewissen Widerstand durch die Luftpfeife und das ganze Rohrsystem. Wenn man nur auf dem Mundstück buzzst, fehlt dieser Gegendruck. Meine Lippen wurden so fest und steif, dass ich am nächsten Tag kaum noch einen geraden Ton herausbekommen habe.

Man muss also aufpassen: Buzzing ist wie ein scharfes Gewürz. Ein bisschen davon hebt den Geschmack (oder eben den Ton), aber wenn man den ganzen Topf vollknallt, ist das Essen (oder der Ansatz) ruiniert. Ich nutze es jetzt gezielt, um mein Gehör zu trainieren, aber ich achte darauf, dass ich immer wieder schnell zum Instrument wechsle, um das Gefühl für den echten Widerstand der 1.3 Meter Messing nicht zu verlieren.

Das metallische Kitzeln und der Geschmack von Silber

Es gibt da diesen einen sensorischen Moment, den ich liebe. Wenn ich das Mundstück ansetze und ganz tief einatme – also so richtig tief in den Bauch, wie ich es früher nie gemacht habe – und dann die ersten Schwingungen kommen. Da ist dieses metallische Kitzeln auf der Oberlippe. Es vibriert bis in die Nasenspitze. Und ja, man hat diesen ganz leichten Geschmack von altem Silber im Mund, wenn die Vibrationen bei einem tiefen C so richtig greifen. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber für mich ist das inzwischen der Geschmack von Freiheit und einem neuen Lebensabschnitt.

Manchmal klappt es natürlich trotzdem nicht. Dann habe ich einen schiefen Ansatz, das Mundstück ist zu speichelfeucht und rutscht weg, oder mein langer Atem reicht einfach nicht aus, weil ich mal wieder vergessen habe, meine Haltung zu korrigieren. Dann lege ich alles weg und mache mir erst mal einen Tee. Ich habe gelernt, dass man Musik nicht mit der gleichen Verbissenheit angehen kann wie eine Steuererklärung. Man kann einen Ton nicht erzwingen, man muss ihn einladen.

Sonntagabend-Gedanken am Schreibtisch

Jetzt sitze ich hier, es ist Sonntagabend, und ich schreibe meine Woche auf. Es war eine gute Woche. Ich habe gemerkt, dass das Buzzing mir auch dabei hilft, ruhiger zu werden. Es hat fast etwas Meditatives. Dieses Summen fokussiert die Gedanken. Die Disziplin, die ich Jahrzehnte im Finanzamt gebraucht habe, hilft mir jetzt tatsächlich dabei, dranzubleiben. Nur dass ich heute keine Akten mehr sortiere, sondern meine Lippenmuskeln.

Falls du also auch mal überlegst, ein Instrument anzufangen (und nein, 45 ist nicht zu spät, wenn ich es mit 50 schaffe!): Probier es mal mit der Trompete. Und wenn es am Anfang nur nach Gans klingt, nimm das Mundstück und fang an zu summen. Aber nicht zu viel! Wir wollen ja nicht, dass du am Ende mit versteinerten Lippen dasitzt.

Nächste Woche will ich mich mal wieder intensiver mit dem Rhythmus beschäftigen. Ich habe ja schon mal darüber geschrieben, wie ich versuche, richtig mit dem Metronom zu üben, damit aus meinem Summen auch irgendwann mal ein richtiger Song wird. Vielleicht klappt es ja bald mal mit dem Anfang von "So What". Miles Davis würde wahrscheinlich schmunzeln, wenn er mich hier im Gartenhaus sehen würde, aber hey – jeder fängt mal klein an.

Alles Liebe, deine große Schwester.

Verwandte Artikel