
Es ist wieder Sonntagabend, die Grillen im Gartenhaus-Vorgarten geben alles, und ich sitze hier mit diesem vertrauten Geruch nach Ventilöl und altem Messing in der Nase. Vor mir liegt die silberne Trompete, die ich meinem Nachbarn Ende Oktober abgequatscht habe, und ich frage mich immer noch, ob ich mit 50 Jahren endgültig den Verstand verloren habe – oder ob das hier die beste Entscheidung meines Lebens war.
Du weißt ja, wie das ist: In der Schule war ich das Kind, das bei der Blockflöte schon an den 8 Grifflöchern gescheitert ist. Danach hieß es immer, ich sei unmusikalisch, ein hoffnungsloser Fall für den Takt. Aber jetzt, in der Frührente, nachdem ich Jahrzehnte im Finanzamt verbracht habe, wollte ich es wissen. Wenn ich den Paragraph 13b des UStG überlebt habe, werde ich ja wohl drei einfache Ventile bändigen können, oder? Kleiner Hinweis vorab: In diesem Text teile ich meine Fortschritte und verlinke auch auf den Kurs, der mir gerade hilft. Wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine Provision, aber für dich bleibt der Preis gleich. Ich empfehle nur, was ich hier draußen am Rande des Münsterlandes wirklich selbst teste.
Das Erbe der Blockflöte und der Traum vom Jazz
Eigentlich fing alles mit Clifford Brown an. Du kennst meine Vorliebe für seine Platten, besonders wenn er diesen warmen, fast schon singenden Ton hat. Mein ganzes Leben lang habe ich Miles Davis und sein Meisterwerk von 1959, Kind of Blue, rauf und runter gehört, aber selbst ein Instrument anzufassen? Nie im Leben. Ich hielt mich für die Frau ohne Rhythmus im Blut. Als meine Tochter vor Jahren als Teenager unbedingt ein Schlagzeug wollte, habe ich kurz überlegt, mit ihr zusammen anzufangen. Oder vielleicht ein Cajon, weil das leiser ist und man sich nicht so exponiert.
Aber dann erinnerte ich mich an diesen einen Moment in unserer alten Kirche im Münsterland, als die Trompete von der Empore erscholl. Dieser strahlende, fast schon majestätische Klang... das wollte ich auch. Nicht im Orchester, nicht für die Nachbarn, sondern einfach nur für mich. Einmal einen Ton so sauber hinbekommen, dass er nicht wie eine sterbende Gans klingt. Also habe ich mir zum 50. Geburtstag die alte Kanne vom Nachbarn gegönnt, sie einmal gründlich gereinigt und mich in mein Gartenhaus zurückgezogen. Hier klopft keiner an die Wand, hier hören mich nur die Amseln.

Der kalte Kuss des Mundstücks
Ich erinnere mich noch genau an einen frostigen Morgen Anfang Februar. Das Gartenhaus war noch nicht richtig warm, und das versilberte Mundstück fühlte sich an wie ein Eiswürfel auf meinen Lippen. Dieser metallische, kalte Geschmack ist etwas, woran man sich erst gewöhnen muss. Und dann dieser Moment, wenn man zum ersten Mal reinbläst und... nichts passiert. Nur ein heißes Rauschen. Man merkt schnell: Trompete spielen hat nichts mit „Pusten“ zu tun. Es ist Arbeit mit den Muskeln im Gesicht, dem sogenannten Orbicularis oris.
In Woche 3 habe ich versucht, ganz mutig zu Clifford Browns „Joy Spring“ mitzuspielen. Ein Desaster! Ich habe vor lauter Konzentration auf die Finger vergessen zu atmen und wäre fast ohnmächtig geworden, weil mir der Sauerstoff im zweiten Takt ausging. Mein Gesicht war so rot wie eine reife Tomate, und nach vierzig Minuten Dauerüben hatte ich diesen klassischen roten Ring um den Mund, der aussieht, als hätte man ein Glas zu fest angesetzt. Es kribbelt in den Wangen, die Lippen zittern wie ein Bienenschwarm, und man fühlt sich alles andere als musikalisch.
Ich habe dann gemerkt, dass ich ohne Struktur nicht weiterkomme. Einfach nur YouTube-Videos schauen hat mich eher verwirrt als weitergebracht. Deshalb habe ich mich für den Kurs meineMusikschule Trompete [Mein aktueller Kurs] entschieden. Das Schöne daran ist, dass man sein eigenes Tempo gehen kann – perfekt für jemanden wie mich, der nicht mehr unter dem Druck steht, eine Prüfung ablegen zu müssen. Wer eher der rhythmische Typ ist, sollte vielleicht mal bei meineMusikschule Schlagzeug reinschauen, aber für mich bleibt die Trompete die Königin.
Atemtechnik für Späteinsteiger: Ein sanfterer Weg
Was mir am Anfang wirklich zu schaffen gemacht hat, war die Atmung. Viele Anleitungen sagen dir: „Press die Luft raus, gib alles!“ Aber ganz ehrlich? Mit über 50 und einer Lunge, die nicht mehr die Vitalkapazität einer 20-jährigen Leistungssportlerin hat, funktioniert das nicht. Ich habe gemerkt, dass dieser aggressive Ansatz bei mir eher zu Atemnot und Verspannungen im Nacken geführt hat. Ich musste einen Weg finden, wie ich die Luft effizient nutze, statt sie mit Gewalt durch das Instrument zu jagen.

Gerade wenn man vielleicht nicht mehr die kräftigste Lunge hat oder sogar mit chronischer Kurzatmigkeit zu kämpfen hat, ist die Trompete eigentlich ein tolles Training – wenn man es sanft angeht. Ich übe jetzt viel mehr mit dem Fokus auf Entspannung. Es geht nicht darum, wie laut ich bin, sondern wie ruhig der Luftstrom bleibt. Das ist fast wie eine Meditation im Gartenhaus. Falls du dich fragst, wie man das am besten in den Alltag integriert, lies mal meinen Bericht darüber, wie oft man als Anfängerin im Gartenhaus üben sollte. Es geht um Beständigkeit, nicht um Gewalt.
Wenn die Töne endlich „rasten“
Ein magischer Moment war letzte Woche im März. Ich habe an der B-Dur-Tonleiter gearbeitet. Plötzlich, ohne dass ich wusste, was ich anders gemacht habe, „rastete“ das tiefe C ein. Es war kein gequältes Quietschen mehr, sondern ein voller, runder Ton. In diesem Augenblick fühlte ich mich nicht mehr wie die unmusikalische Finanzbeamtin, sondern ein kleines bisschen wie ein Teil der Jazz-Welt. Es ist dieser winzige Sieg, der einen weitermachen lässt, auch wenn am nächsten Tag wieder jeder zweite Ton kippt.
Manchmal sitze ich hier und lache über mich selbst. Da stehe ich im Münsterland, schaue auf die Pättkes draußen und versuche, Jazz-Phrasen zu spielen, während meine Nachbarin grinsend mit ihrem Hund vorbeiläuft. Sie weiß wahrscheinlich genau, dass ich gerade wieder an der Bindung von G zu C scheitere. Aber das ist okay. Mit 50 muss man niemandem mehr etwas beweisen. Man darf scheitern, man darf speichelfeuchte Mundstücke haben und man darf sich freuen wie ein Kind, wenn die erste einfache Melodie klappt. Falls du noch ganz am Anfang stehst, schau dir mal meine Tipps zu meinen Erfahrungen mit dem Online-Kurs an – das nimmt einem die Angst vor der Technik.

Fazit: Musik ist eine Erlaubnis, kein Talent
Was ich in diesen Monaten gelernt habe? Musikalität ist kein Geschenk, das man bei der Geburt bekommt oder eben nicht. Es ist eine Erlaubnis, die man sich selbst gibt. Die Erlaubnis, laut zu sein, schiefe Töne zu produzieren und die Nachbarn (theoretisch) in den Wahnsinn zu treiben. Wenn du auch überlegst, spät anzufangen: Tu es. Ob es nun die Trompete ist oder vielleicht doch ein Cajon-Kurs, wenn du es lieber rhythmisch und leiser magst – das Wichtigste ist der erste Schritt aus der Komfortzone heraus.
Ich werde jetzt noch ein bisschen Miles Davis hören, mir die Einführung aus Kind of Blue im Kopf vorspielen und dann die Ventile meiner Trompete ölen. Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass die nächste Woche wieder sieben Abende im Gartenhaus bereithält. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja bis zum Sommer, ein paar Takte von „So What“ unfallfrei zu spielen. Falls du auch Lust hast, diese Reise zu beginnen, kann ich dir den Kurs von meineMusikschule für Trompete wirklich ans Herz legen. Er hat mir geholfen, das Chaos in meinem Kopf zu ordnen und die ersten echten Lieder anzugehen. Schau dir dazu auch gerne meine Liste für Jazz-Einsteiger ohne Vorkenntnisse an.

Bis nächsten Sonntag, halte die Ohren steif und die Lippen locker!