Erste Trompete

Trompete Ansatz trainieren: Wie ich lernte, meine Lippen nicht mehr wie einen Dienststempel zu benutzen

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Trompete Ansatz trainieren als Anfängerin über 50 — die gebrauchte Messingtrompete auf dem Schoß im Gartenhaus

Ein Ton, den ich anfangs mit purer Muskelkraft aus der Trompete geprügelt habe, und ein Ton, den ich heute einfach strömen lasse, dieselbe alte Messingkanne vom Nachbarn, und trotzdem zwei völlig verschiedene Welten. Genau darum dreht sich der Ansatz an der Trompete, und genau das hat mir als Anfängerin vorher keiner so klar gesagt. Wenn du erst mit über 50 zum ersten Mal ein Blasinstrument in die Hand nimmst, dann hier meine ehrlichsten Anfänger-Tipps gleich vorweg: Der Ansatz wird nicht durch Drücken besser. Er wird durch Luft besser.

Als ich mir die gebrauchte Trompete zum 50. Geburtstag vom Nachbarn abgekauft habe, dachte ich in bester Beamtinnen-Logik: viel hilft viel. Kein Ton? Dann eben fester drücken. Ich habe das Mundstück gegen die Lippen gepresst, als müsste ich einen besonders sturen Stempel auf einen Steuerbescheid knallen — und prompt kam die Quittung.

Zwei Tage lang hatte ich eine ganze Stunde am Stück durchgepowert, jeden Tag, ohne eine einzige Pause. Am dritten Morgen war der Ansatz einfach kaputt: die Unterlippe geschwollen, taub, und beim Kaffee konnte ich die Tasse kaum ansetzen. Das war mein erster großer Fehler — und der Grund, warum ich heute überhaupt weiß, wie man es besser nicht macht.

Fester drücken macht den Ansatz kaputt, nicht besser

Der kleine Ringmuskel rund um den Mund — der Musculus orbicularis oris macht die eigentliche Arbeit, nicht der Arm, der die Trompete ans Gesicht presst. Genau da lag mein Denkfehler. Ein guter Ansatz entsteht durch einen kontrollierten Luftstrom und feste Mundwinkel, nicht durch Pressen der Trompete gegen die Lippen. Je mehr Anpressdruck ich gegeben habe, desto mehr Ansatzprobleme habe ich mir eingehandelt und desto schlechter klang am Ende der Ton.

Vergleich es ruhig mit dem Radfahren durch die Baumberge: Wer den Lenker zu fest umklammert, wird steif und kippt irgendwann um. Locker bleiben, auch bergauf — dann rollt es. Meine Lippen sollten schwingen, nicht abdichten. Sobald ich das begriffen hatte, klang ich weniger nach sterbender Ente und ein kleines bisschen mehr nach Musik.

Trompetenmundstück auf einem handgeschriebenen Übungsplan — Ansatztraining für Anfänger ohne Druck

Spielen, absetzen, spielen

Statt stundenlang durchzuackern, arbeite ich heute mit kurzen Häppchen und echten Pausen. Zehn Sekunden spielen, dann die Trompete zehn Sekunden absetzen. Eine Tonleiter probieren, danach eine ganze Minute nur den Amseln im Garten zuhören. Der Muskel braucht diese Ruhe, um wieder frisch zu werden — das ist keine Faulheit, das gehört zum Training dazu.

Volker aus dem Trompeten-Forum sieht das mit den Pausen ganz anders — er schwört auf längere Blöcke am Stück und vergleicht bei jeder Gelegenheit unsere Übungsmethoden, halb im Wettstreit, halb aus echtem Interesse. Mag sein, dass sein Ansatz robuster ist als meiner. Meiner ist eben ein Anfängeransatz mit über 50, und der verträgt keine Gewaltmärsche.

Letzten Mittwoch, in Woche 4, ist mir beim Einspielen etwas passiert, das mich fast erschrocken hat innehalten lassen: Ein langer Ton lief bis zum Ende durch, ohne dass ich am Schluss noch Luft nachdrücken musste. Kein Kampf, kein Zittern — er klang von selbst aus. So ein Moment entschädigt für eine ganze Woche geschwollener Lippen.

Wenn ich dagegen merke, dass ich das Metall wieder gegen die Zähne presse, höre ich sofort auf. Dann heißt es: kurz das Wasser aus der Trompete ablassen, einmal tief durchatmen und neu ansetzen. Lieber eine erzwungene Pause als ein ruinierter Abend.

Pferdelippen als Notbremse

Das klingt albern, hilft aber ungemein: zwischendurch die Luft locker durch die geschlossenen Lippen flattern lassen, dieses "Prrrruuu" wie ein müdes Pferd. Das lockert das Gewebe wieder, sobald die Lippen sich zu verkrampfen drohen. Die Nachbarschaft hält mich beim Üben im Gartenhaus vermutlich längst für ein bisschen wunderlich — nur habe ich mich lange genug selbst für unmusikalisch gehalten, um mir das jetzt noch groß leisten zu wollen.

Dass ich überhaupt drangeblieben bin, grenzt an ein kleines Wunder. Jahrzehntelang habe ich mich für komplett unmusikalisch gehalten — Schulblockflöte, mehr war angeblich nicht drin. Dass ich heute trotzdem hier sitze und gefühlt unmusikalisch und trotzdem Trompete lernen mit über 50 zu meinem Sonntagsritual gemacht habe, ist die beste Entscheidung, die ich je gegen mein eigenes Kopfkino getroffen habe.

Was bringt das Üben mit dem nackten Mundstück?

Ein großer Teil meines Fortschritts kam durch etwas, das die Trompeter "Buzzing" nennen — Töne nur auf dem nackten Mundstück erzeugen, ohne das schwere Blech drumherum. Abends auf dem Sofa nehme ich das kleine Metallteil in die Hand und summe hinein. Es klingt wie eine sehr empörte Mücke, aber es verrät jeden Fehler sofort: Stimmt der Luftstrom nicht oder drücke ich zu fest, gibt es keinen Resonanzkörper, hinter dem sich das verstecken ließe.

Meist mache ich das etwa zehn Minuten, bevor ich überhaupt ins Gartenhaus hinausgehe — mein kleines Aufwärmen, bevor die richtige Runde beginnt. Man rennt ja auch nicht sofort los, ohne vorher die Waden zu dehnen, jedenfalls nicht in unserem Alter. Damit ich vor lauter Ehrgeiz nicht wieder die Lippen ruiniere, halte ich mich an einen kleinen Übeplan für mein Gartenhaus-Exil. Disziplin heißt hier nicht Härte gegen sich selbst, sondern auf den Körper hören.

Drei Dinge, an denen ich zu viel Druck erkenne

Mehrere Zeichen verraten mir, dass ich es übertrieben habe. Zum einen am Abdruck: Bleibt nach dem Spielen ein tiefer, roter Ring vom Mundstück auf den Lippen stehen, der nicht schnell wieder verschwindet, war der Druck zu hoch. Zum anderen an der Kälte — ein eiskaltes Mundstück auf warmen Lippen ist Gift, deshalb wandert das Metall bei mir vorher in die Manteltasche, bis es Körpertemperatur hat. Und drittens an den Wangen: Sobald sie sich aufblähen wie bei einem Hamster, sind die Mundwinkel weich geworden, und dann weiß ich, dass ich nachlassen und neu ansetzen muss.

Wie der tiefe Ton am Ende doch kam

Gestern Abend gab es so einen kleinen Moment der Wahrheit: Ich wollte das tiefe C spielen, diesen erdigen, runden Ton — und erst kam nur ein heißes Rauschen. Der alte Reflex meldete sich sofort: fester drücken, das Horn zwingen. Stattdessen habe ich an die Einleitung von Kind of Blue gedacht, die Augen zugemacht und den Ansatz ganz locker gelassen. Und da war er — klar, warm, ohne den kleinsten Schmerz.

Es ist ein bisschen wie mit einer Steuererklärung: Wer die Zahlen mit Gewalt passend biegen will, dem fliegt am Ende alles um die Ohren. Man muss die Regeln verstehen und ihnen folgen. Mein Körper lernt gerade die Regeln einer neuen Sprache — und diese Sprache braucht keine Kraft, sie braucht Luft. Viel Luft, wenig Druck.

Nächste Woche nehme ich mir die B-Dur-Tonleiter vor, flüssig und ohne dass mir bei den höheren Tönen die Puste ausgeht. Meine Ausdauer wächst, das spüre ich deutlich: Wo früher nach zehn Minuten Schluss war, halte ich heute meine zwanzig durch, mit Pausen, und sehe danach nicht mehr aus wie ein Unfallopfer. Als es einmal richtig gut klang, stand plötzlich Hedwig am Zaun und schob mir wortlos ein selbstgebackenes Pflaumentörtchen über die Latten — schöner kann ein Applaus kaum ausfallen.

Eine einzige Zeile sage ich mir inzwischen vor jedem Üben — und die würde ich jedem mitgeben, der spät anfängt: so wenig Druck wie möglich, so viel Luftführung wie nötig. Dieser Satz hat meine Lippen gerettet und aus dem Kampf mit dem Blech langsam ein Gespräch gemacht.

Jetzt trinke ich meinen Tee aus und lasse es für heute gut sein. Die Trompete schläft schon im Koffer, die 40-Watt-Birne wirft ihr orangefarbenes Licht über den leeren Klappstuhl, und mein Atem steht in der kühlen Abendluft als kleines Wölkchen. Ich habe sie heute anständig behandelt, und sie hat mir mit ein paar sauberen Tönen gedankt. Mehr will ich mit über 50 gar nicht — und weniger inzwischen auch nicht mehr.

Alles Liebe aus dem Gartenhaus!

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