Erste Trompete

Die besten Play-alongs für Trompete zum Üben ohne eine eigene Band

Play-alongs für Trompete üben ohne Band: Tablet und Notenständer im Gartenhaus

Eine ganze Band aus der Konserve ist nicht unbedingt nötig, um sich beim Trompete lernen mit fünfzig wie eine echte Jazz-Anfängerin zu fühlen. Manchmal reicht auch ein stures, gnadenloses Ticken. Ich stelle mir diese Frage öfter, als mir lieb ist, seit ich im Gartenhaus am Rand des Münsterlands mit Play-alongs herumexperimentiere, die ich mir anfangs wahllos aus dem Netz gezogen habe, ohne Plan, ohne Struktur, einfach drauflos.

Meine alte Finanzbeamtinnen-Logik will sofort ein System, aber die Trompete kümmert das herzlich wenig. Ich habe Miles Davis und Clifford Brown ein Leben lang gehört, ohne selbst einen Ton zu halten, und jetzt sitze ich mit fünfzig auf einem klapprigen Stuhl und will herausfinden, welche Begleitung mir wirklich weiterhilft: der volle Bandsound aus der Aufnahme oder der nackte Klick eines Metronoms.

Play-alongs mit vollem Bandsound: der Griff nach dem großen Gefühl

Play-alongs mit vollem Bandsound klingen nach dem großen Versprechen – Bass, Klavier, Schlagzeug, und mittendrin die eigene Trompete, die plötzlich nach richtiger Musik klingt. Genau das wollte ich, als ich anfing, gezielt nach Aufnahmen zu suchen, bei denen im Hintergrund ein ganzes Ensemble läuft. Das Problem meldete sich schnell: Trompeten sind transponierende Instrumente, die Note auf dem Papier klingt anders, als sie am Ende aus dem Schallbecher kommt. Wer wahllos irgendwelche Play-alongs nachspielt, merkt erst nach mehreren schiefen Versuchen, dass die Tonart gar nicht zur eigenen B-Trompete passt.

Volker aus dem Trompeten-Forum schwört auf genau diese Variante. Er postet regelmäßig lange Beiträge über seine Fortschritte, manchmal mit einem Foto vom Mundstück oder von der Ventilöl-Flasche daneben, und beschreibt genau, wie gut sich der volle Sound anfühlt, wenn er zu Hause übt. Für ihn ist dieses Gefühl, mitten in einer Band zu stehen, der Hauptgrund, warum er überhaupt drangeblieben ist.

Tablet mit Play-along-Noten neben einer silbernen Trompete beim Üben ohne Band

Was passiert, wenn die Band lauter ist als man selbst?

Bei mir lief es anders. Sobald ein Backing-Track satt und voll aus den kleinen Lautsprechern kam, verschwanden meine eigenen Fehler einfach im Mix. Ich dachte, ich treffe den Takt genau, dabei schwamm ich nur hinterher, ohne es überhaupt zu merken. Ein voller Bandsound tröstet ungemein, aber er korrigiert gar nichts.

Hedwig von nebenan lehnte neulich am Gartenzaun und hörte zu, wie ich versuchte, mit einem satten Blues-Play-along mitzuhalten. Von Musik versteht sie wenig, aber sie hört geduldig zu, wenn ich ihr von schiefen Tönen erzähle, und meinte danach nur, das habe für ihre Ohren ziemlich gut geklungen. Für meine leider nicht.

Der Klick lügt nicht, aber er tröstet auch nicht.

Also probierte ich das Gegenteil: kein Play-along mehr, nur ein Metronom, das gnadenlos tickt. Das eigene Taktgefühl entsteht offenbar genau in diesen unbequemen Minuten, in denen niemand die Lücken für einen füllt – ein eigenes Kapitel für sich, das ich hier nicht aufrollen will. Was ich sagen kann: Es war die erste Übung, bei der ich wirklich gehört habe, wo ich zu früh oder zu spät komme.

Vor Kurzem lief die B-Dur-Tonleiter zum ersten Mal komplett durch, rauf und runter, ohne dass irgendwo ein Ton stolperte oder kippte. Kein Play-along im Hintergrund, nur der Klick und ich.

Im Gartenhaus wummerte danach kurz die Holzwand nach, so als hätte der Ton wirklich Platz gefunden, bevor wieder Stille war.

Die Trompete stimmen, bevor der Track überhaupt losläuft

Bevor überhaupt ein Play-along läuft, kommt bei mir inzwischen ein anderer Schritt zuerst: stimmen. Viele Aufnahmen sind auf den Kammerton A gestimmt, und wenn meine Trompete durch die Wärme im Gartenhaus leicht danebenliegt, klingt jeder Versuch mitzuspielen schräg, egal wie gut die Aufnahme ist. Die Feinheiten dahinter erkläre ich lieber an anderer Stelle ausführlich – hier reicht der Hinweis, dass ich zuerst stimme und erst danach auf Play drücke.

Finger auf den drei Ventilen einer Trompete beim Stimmen vor dem Play-along

Meine drei Ventile spielen dabei eine kleinere Rolle, als ich anfangs dachte – wichtiger ist, dass die Ohren schon vor dem ersten Ton wissen, wie es klingen soll. Genau da hilft mir gelegentlich doch wieder ein Play-along, aber gezielt eingesetzt und nicht als Dauerberieselung.

Volles Playalong oder nackter Klick – wann du was brauchst

Wenn ich beides nebeneinanderlege, sieht meine Bilanz so aus: Ein voller Bandsound eignet sich, wenn ein Stück schon einigermaßen sitzt und es nur noch ums Gefühl geht, um dieses kurze Aufblitzen, das Volker in seinen Forumsposts so genau beschreibt. Der nackte Klick dagegen gehört an den Anfang jeder neuen Passage, solange die eigenen Fehler noch nicht in einem Bandsound versteckt werden dürfen.

Ein Blick auf die besten Jazz Trompeter für Anfänger zur Inspiration zeigt zusätzlich, dass auch die nicht mit vollem Bandsound angefangen haben. Falls du dich außerdem fragst, wie man die ersten Melodien überhaupt so ordnet, dass sie jemand wiedererkennt, beschreibe ich das in wie ich mit einem Online-Kurs lernte, die ersten Töne zu ordnen, sodass sie jemand wiedererkennt.

Morgen probiere ich vermutlich wieder beides: ein paar Minuten nackter Klick, danach ein kurzes, reduziertes Play-along zur Belohnung. Die Antwort auf die Frage vom Anfang lautet also: keine ganze Band nötig, aber auch kein Verzicht für immer – nur die Reihenfolge macht den Unterschied.

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